Freitag, 2. November 2012

Nightride mit unverhoffter Zugabe

Am Donnerstagabend schwang ich mich um halb Acht auf mein kleines, grünes Elend. Schliesslich wartete Ashima's Pancake Brake darauf, im Gelände getestet zu werden. Und die Temperaturen waren mit rund 10 Grad auch im angenehmen Bereich.

Also durchquerte ich zuerst die Altstadt, kurbelte die Flanke des Eschenbergs hoch und musste auf dem folgenden Pfad mehrmals vom Rad, weil Fallholz die Route blockierte. Der nasse Schnee des vergangenen Wochenendes war für manche Bäume und Sträucher halt doch zu viel. Und zudem waren einige Wege in einem himmeltraurigen Zustand, weil manche Reiter auch bei Nässe die schmalsten Wege wählen - und diese dann wie einen Acker aufwühlen.

Kurz nach dem Wendepunkt in Sennhof: Noch ist das Bike nur mässig eingesaut.

Zu meiner eigenen Überraschung brachte ich ordentlich Druck auf die Pedale und erreichte schon bald den Wendepunkt der kleinen Feierabend-Runde in Sennhof. Noch war das Jackal nur mässig eingesaut, und eine weitere Erkenntnis war erfreulich: Nicht der Scheinwerfer meines Hope Vision 2-Lichtes hat einen Wackelkontakt, sondern der kleinere der beiden Akkus.

Keine 20 Minuten später sah das schon anders aus - Töss-Uferweg sei Dank.

Wie ich die ersten Bilder meine Bikes knippste, sah ich, wie sich eine weitere Gruppe Biker auf der anderen Flussseite näherte. Was ich schon vermutete, bestätigte sich kurz darauf: Auch diese nahmen den kleinen Töss-Uferweg in Angriff, der zu dieser Jahreszeit nicht nur schmal und verwinkelt, sondern stellenweise auch abenteuerlich schlammig ist.

Abendliches Selbstportrait mit leicht beschlagener Brille.

Gleich nach der ersten, breiteren Passage machte die Gruppe eine Pause - und gab mir damit eine Chance, gleich vorbei zu ziehen, um in der Folge freie Bahn zu haben. Nun, es wurde eine wilde Fahrt um die Ecken und immer wieder über Fallholz oder geduckt unter abgebrochenen Ästen durch. Einmal hatte ich sogar richtig Glück, weil ein grosser Ast gegen die Fahrtrichtung in den Pfad ragte.

Mit frisch eingesauten Bike-Klamotten an ein Live-Konzert? Kein Problem im Widder!

Ich sah den Ast erst im letzten Moment und hatte Glück, mir diesen nicht in den Unterleib zu rammen - aber zum Stillstand brachte er mich. Und wenn ich den linken Bremshebel verdrehsicher am Lenker montiert hätte, wäre er wohl abgebrochen. So schaute er nach dem Aufprall auf den Ast nur nach hinten. Wenig später flitzte ich schon an den Fussball-Feldern am Reitplatz vorbei, und einige Minuten später fand ich mich in der Altstadt im Gewühl des Weihnachtsmarktes wieder - Raclette und Glühwein inklusive und damit olfaktorisch eine Herausforderung.

Schlagzeug und Cello - eine wirklich ungewohnte Kombination.

Nachdem ich mein Bike abgeschlossen hatte, betrat ich den "Gasthof zum Widder", und der war bereits für ein Konzert der Combo "Guts Pie Earshot" vorbereitet. Noch sagte mir diese Zweimann-Band nichts, aber die installierten Instrumente waren schon einmal ungewöhnlich: Ein Schlagzeug, ein Keyboard mit Percussion-Erweiterungen und - ein Cello mit Wahwah-Verzerrer.

Keine Stufe zwischen Bühne und Publikum: Auch Konzerte sind im Widder unhierarchisch.

Das Versprach schon einmal etwas, aber das Resultat war nochmals besser: Die Musik von "Guts Pie Earshot" oszilliert zwischen Techno, Ambient und Metal, ist treibend, tanzbar und doch sehr eigen, nur schon durch das verzerrte Cello, das mal wie ein Streichinstrument, mal wie eine e-Gitarre klingt. Frei nach Fat Boy Slim würde ich zu dieser Musik meinen: "If this don't make your body move, your body must be dead!"


Das Konzert dauerte inklusive Zugabe rund zwei Stunden, aber diese Zeit verging wie im Flug - mal abgesehen davon, dass das Wetter gegen halb Elf Uhr umschlug: Der Wind frischte auf, die Temperaturen gingen zurück und dann setzte Regen ein. Mir war das egal: Die Kleider waren eh schon eingesaut und mussten am folgenden Tag in die Waschmaschine, ich selbst musste auch noch um Mitternacht duschen.


Aber das hat man davon, wenn man direkt vom Biken zu einem Live-Konzert geht, das sich als gut erweist. Und somit eine unverhoffte Zugabe nach einem spassigen Nightride bot.

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