Montag, 27. Juni 2011

Bikewrecks XIII: Taichung Bicycle Massacre

Kaum überraschend, dass man auch in einem Zentrum der weltweiten Fahrrad-Produktion vernachlässigte, kaputte Räder findet. In Taichung waren mir zwei Exemplare einen Schnappschuss wert.

Um die beiden Häufchen Elend zu finden, musste ich mich nicht einmal weit von meinem Hotel entfernen. Die Dinger gammelten durchaus in der Nähe mondäner Geschäfte und teurer Hotels vor sich her. Und waren doch mustergültige Exemplare vernachlässigter Fahrräder - von fehlenden Bauteilen über die Reifen, die längst ihre Luft verloren haben, bis zum grossflächigen Rost.

Wahrlich ein jämmerliches Bild bot das Radl Typus Baumarkt-Fully, das ohne Hinterrad oder Schaltwerk und mit zerschlissenem Sattel vor sich her gammelte - und bereits Rostflecken auf dem Gehsteig hinterlassen hatte. Quasi das Pendant zu Blutflecken bei einem Kapitalverbrechen, diese Rostflecken.

Dagegen stand das Modell "Alex" von Saracen noch tapfer auf eigenen Beinen - pardon, Rädern. Und dürfte dennoch seit geraumer Zeit nicht mehr bewegt worden sein, wie der grossflächig an Antrieb, Rahmen und Lenker angreifende Rost zeigt. Wenn das Teil nicht mit einem Schloss gesichert wäre, hätte es die Müllabfuhr wohl schon längst entsorgt.

So aber bot sich mir ein herrliches Motiv für meine Bikewrecks-Serie, zumal dieses Radl technisch gesehen noch komplett war: Beide Räder dran, Reifen drauf, Schaltung noch dran, Bremsen dito. Auch wenn in der Schweiz im Winter jeweils grosszügig Salz gestreut wird, ist mir noch kein dermassen durchgerostet Radl unter die Augen gekommen. Das grenzt schon an eine Ode an die Vergänglichkeit, quasi eine Mobilitätsskulptur.

Taiwan: Weitere Schnappschüsse

Zeit, um nochmals eine Ladung Bilder aufs Web zu hauen - schliesslich war ich nicht nur in Taipeh, sondern auch noch in Taichung und Tainan unterwegs, also weiter im Süden der Insel.

Zum Apero vor der grossen Show fanden sich viele Exponenten von Taiwans Fahrradindustrie ein.

Zuerst wartete in Taipeh, genauer in einer alten Papierfabrik an der Peripherie der taiwanesischen Hauptstadt eine Premiere auf mich: Im Rahmen der Lancierung der neuen Faltrad-Marke Tern Bicycles bekam ich erstmals Gelegenheit, in Taipeh Fahrrad zu fahren.

Gleich geht's los: Journalisten, Industrie-Vertreter und Gäste warten gespannt auf die Show.

Zuerst stand aber eine veritable Modeschau an: Denn unsere Gastgeber hatten keinen Aufwand gescheut und neben einem Catwalk eine Menge Technik in die alten Fabrikhallen gepackt. So paradierten adrett gekleidete Models zu Musik über den Laufsteg - auf den neuen Falträdern.

Radeln bei deutlich über 30 Grad: Unterwegs in Taipeh, die Camelbak-Bottle in Griffnähe.

Nach der Show hatte man Gelegenheit, sich mit den Tern-Entwicklern auszutauschen, ehe die Testfahrt wartete. Los ging die Ausfahrt auf dem minimalistischen Einsteiger-Modell von Tern, das auf den Namen "Uno" hört: Wie der Name schon vermuten lässt, hat das Teil nur einen Gang und nur eine Rücktrittbremse. Aber dafür kann auch kaum was kaputt gehen an dem Teil.

Unterwegs wurden auch mal die Räder ausgetauscht, um verschiedene Modelle probieren zu können.

Nach halbem Weg wechselten wir den fahrbaren Untersatz, zurück ging es auf einem Modell mit Bremsen an beiden Rädern, Getriebenabe, Schutzblechen und Licht - und einem Front-Gepäckträger. Das Highlight der Ausfahrt war eine kleine BMX-Bahn, die unter einer der vielen Autobahnbrücken angelegt worden ist - und die wir prompt unter die Räder der Faltvelos nahmen.



Nachdem ich am Sonntag Abend noch die Gegend um den Longshan-Tempel und den Hauptbahnhof erkundet (und das Restaurant "Magic Curry" wieder gefunden und dort zu Nacht gegessen) hatte, verfolgte ich in meinem kleinen, aber zweckmässigen Zimmer im "Yu Lai Friends"-Hotel per Live-Stream die Entscheidung an der Tour de Suisse.

Das Asien-Hauptquartier von SRAM - in der Fabrik daneben sind rund 1000 Leute beschäftigt.

Tags darauf war dann die Fahrt nach Taichung angesagt - und ein volles Programm. Nacheinander wurde ich beim weltgrössten Sattelhersteller Velo Enterprise, bei SRAM Asia und bei Pro-Lite erwartet, und zum Abendessen lud mich Velo-Chefin Stella Yu in ein edles Steak-House ein. Ich liess mich nicht lumpen und erschien in beiger, langer Anzugshose, Lackschuhen von Navyboot und einem Hemd - nix Shorts und T-Shirt, für einmal...

Nächtliches Selbstportrait vor dem Evergreen Laurel - gutes Hotel, top Frühstücks-Buffet!

Nachdem ich ein Riesensteak verspachtelt beziehungsweise mit Cabernet Sauvignon weggespült hatte, machte ich mich in T-Shirt und Shorts nochmals auf den Weg vom Hotel Evergreen Laurel in die Stadt Taichung - zu einem ausgedehnten Abendspaziergang, um all das Fleisch zu verdauen. Noch immer lagen die Temperaturen weit über 30 Grad, und auch wenn ich nicht in Eile war: Mein T-Shirt war nach 30min Flanieren durchgeschwitzt.

Auf dem Weg durch Taichung kam ich auch an einem Park vorbei, in dem gut taiwanesisch allerhand verboten war. Wieder einmal zeigt sich die Signalisierungswut der Behörden im "anderen China". Ausser dieser Tafel fielen mir auch die Bäume im Park auf: Von den Alpen her bin ich ja mit fetten Wurzeln von Bäumen vertraut, aber das hier?
Das erste Photo zeigt nur, wie verästelt das Wurzelwerk dieser Bäume ist. Auf dem zweiten Bild wird deutlich, wie dick diese Wurzeln sind: Die Dinger bauen locker so hoch, wie mein Turnschuh lang ist - geht mal ruhig von 25cm aus. Wär mal eine Herausforderung, mit dem Bike über ganze Teppiche solcher Wurzeln zu fahren.

Sind die dick, Mann: Der Fuss steht senkrecht - und ist so lang wie die Wurzel hoch.

Auch die Fassade eines örtlichen Kunsthändlers fand ich bemerkenswert, weil sie verschiedene Baustile Europas wild durcheinander mischt - und damit deutlich aus dem Häusergewirr Taichungs hervor sticht.

Mischmasch der Stile oder korinthische Säulen treffen auf Backsteine: Europa, wie es sich die Taiwanesen vorstellen.

Sonntag, 26. Juni 2011

Taipeh - einige Schnappschüsse

Erstmals weilte ich im Sommer in Taipeh - und die Temperaturen waren wirklich grenzwertig. Auch nachts und am frühen Morgen trieb einem die feuchte Hitze den Schweiss aus den Poren.

Auch wenn ich wegen der Komplikationen bei der Anreise weniger Zeit als geplant in Taipeh verbringen konnte, entstanden einige Snapshots. Und die will ich den Besuchern meines Blogs nicht vorenthalten.

Das erste Bild entstand von einem der Balkone des eindrücklichen "Taipeh Grand Hotel" aus - und zeigt vorne den Dajia Riverside Park mit seinen asphaltierten Strecken für Radfahrer, dahinter das Häusermeer Taipehs und mittendrin das Wahrzeichen der Stadt, den 101 Tower. Auf diesem Bild sieht man endlich auch mal, dass Taipeh von Hügeln umgeben ist.

Nobel-Domizil für nur eine Nacht: Das Grand Hotel, der legendärste Kasten von Taipeh.

Am Sonntag hatte ich den späten Nachmittag und den Abend für mich, ehe ich im kleinen, einfachen aber dennoch empfehlenswerten "Yu Lai Friends"-Hotel im Distrikt Zhongshan übernachtete. Nach dem Einchecken knippste ich den Stadtplan in der MRT-Station ab, um die Route jederzeit aufrufen zu können.

Die Hakenkreuze auf dem Stadtplan stehen nicht für Nazi-Ansammlungen,
sondern für buddhistische Tempel - ich hab zuerst auch gestutzt.

Danach reichte es noch, um eine Runde durch das Nobel-Kaufhaus "Shinkong Mitsukoshi" zu drehen, dem Longshan-Nachtmarkt einen Besuch abzustatten und bei "Magic Curry" ein leckeres - ja eben, Curry reinzuhauen.

Am nächsten Morgen musste ich früh raus, um mit der High Speed Railway weiter nach Taichung und Tainan zu fahren. Um mein gedrängtes Besuchsprogramm mit drei Terminen im Raum Taichung am Montag nicht durcheinander zu bringen, war ich gar mehr als eine halbe Stunde zu früh am Hauptbahnhof von Taipeh.

Erst am Mittwoch gegen Mittag war ich wieder zurück in Taipeh - und fuhr gleich mit der U-Bahn bis zum Sun Yat Sen-Memorial. Von dort aus ging es zu Fuss zum 101 Tower, der wie immer ein formidables Photo-Motiv her gab. Einfach eindrücklich, dieser 500-Meter-Turm.

Auch wenn er nicht mehr das höchste Gebäude der Welt ist, verschlägt es einem beim Anblick noch den Atem. Und je nach Standort und Perspektive kann man sich als Mensch neben diesem Turm sehr, sehr klein fühlen. Mir erging es zumindest so.

Donnerstag, 23. Juni 2011

Andere Länder, andere Snacks

Als ich beim weltgrössten Velosattel-Produzenten Velo Enterprise rein schaute, bekam ich von der Chefin Stella ein Lunchpaket mit auf den Weg. Und konnte noch nicht ahnen, dass das der Beginn einer grossen Leidenschaft sein würde.

Nach der Werksbesichtigung war ein Interview mit der Chefin von Velo geplant: Stella Yu hat diese Firma 1979 gegründet und seither zum weltgrössten Hersteller von Velo-Sätteln gemacht. Jährlich werden 15 Millionen Sättel produziert, 3.5 Millionen im Werk in Dajia County, das ich besuchte. Weil das Interview just in die Mittagspause fiel, wollte Stella wissen, ob ich ein Mittagessen wolle. Ich lehnte dankend ab, weil ich bei den hohen Temperaturen, wie sie derzeit in Taiwan herrschen, meine Nahrungsaufnahme reduziere.

Also organisierte mir Stella ein Lunchpaket. Im kleinen Papiersack steckten zwei Flaschen Orangensaft, ein Flasche Wasser und zwei dreieckige Päckchen, in Kunststoff-Folie eingepackt. Vor lauter Interview dachte ich nicht einmal ans Essen und nahm das Lunchpaket zum nächsten Termin mit - bei SRAM in der grösseren der beiden Fabriken in Taiwan. Erst dort packte ich mal eins der Päckchen aus. Und war angetan: Zwischen zwei etwa zentimeterdicken Schichten weissem Klebreis steckte ein Kern mit pikant gewürztem Hühnerfleisch, das ganze mit einer hauchdünnen Schicht getrocknetem Seetang umwickelt.

Ein Capuccino Venti von Starbucks und ein Reissandwich von 7-11:
Die Standard-Verpflegung auf meiner Taiwan-Trip.


Von da an wurden die Reissandwiches zu einem fersten Bestandteil meiner Ernährung - leicht zu transportieren, lecker und schnell verputzt, was will man mehr? Da kommt kein fettiger McBurger gegen an! Eine kurze Suche im Web verriet mir, dass die Dinger sich Onigiri nennen und ein klassisches Gericht in der japanischen Küche sind. I like it, very much. Jetzt muss nur noch jemand die Dinger in die Schweiz importieren.

Montag, 20. Juni 2011

Die Kraft der Hydraulik

Stetes Wasser hölt den Stein - und Hydraulik lässt Federgabeln wedeln wie der Schwanz eines Hundes. Das durfte ich bei der Besichtigung der grösseren von zwei Fabriken von SRAM im Raum Taichung beobachten.


Eindrücklich, was bei SRAM Taichung (Taiwan) auf den Prüfständen abgeht - die Art von Deformation wird man im Real Life nicht so rasch hinbekommen.

video

Man beachte, wie unterschiedlich stark die schwarze Singlecrown-Gabel im Vordergrund und die weisse Doppelbrücken-Gabel im Hintergrund bewegen.

Sonntag, 19. Juni 2011

Lost in Transit...

... oder wie man sich 35.5 Stunden Verspätung beim Fliegen einhandelt: Manchmal ist der Wurm dermassen drin, dass man sich einen Pausenknopf wünscht. Bloss gibt es im Real Life keinen solchen.

Am Mittwoch Abend bestieg ich in Zürich den Flieger nach Hong Kong, mit Endbestimmung Taipeh. Dorthin war ich für die Lancierung einer neuen Fahrrad-Marke eingeladen worden - und da sag ich nicht nein. Es ging schon mal gut los: Kleinkinder links, rechts und hinter mir in der voll besetzten Economy-Klasse, dazu ein massiger Chinese neben mir, der auch noch ein Viertel meines Sitzes in Beschlag zu nehmen trachtete. Dazu war noch ein Passagier nicht am Gate erschienen und sein Koffer musste wieder ausgeladen werden. Prompt war das Teil nicht im erwarteten Behälter, was den Start bis kurz vor Mitternacht verzögerte.

Mit deftig Verspätung ging es endlich los - doch das sollte erst der Anfang einer wahren Odyssee sein. Denn nach Taiwan können EU-Bürger nur dann ohne Visum reisen, wenn der Pass noch mindestens 6 Monate lang gültig ist. Meiner muss am 2. November verlängert werden - das macht viereinhalb Monate, bis er abläuft.

Darum weigerte sich die Angestellte von EVA Airlines in Hong Kong auch, mich einzuchecken - womit sie im Recht war. Also musste ich veranlassen, dass mein schon bis Taipeh eingecheckter Koffer wieder ausgeladen wurde - und auf den Anschluss-Flug nach Taipeh verzichten. Eigentlich wären bloss 3 Stunden zum Umsteigen vorgesehen gewesen in Hong Kong.


Nach Hong Kong Island - wider Willen
Statt dessen nahm ich die Schnellbahn nach Hong Kong Island, checkte dort im Hotel Central Park ein (wo ich sogar einen kostenlosen Upgrade in die Executive-Class bekam) und erkundete noch kurz zu Fuss einen kleinen Teil der einstigen britischen Kronkolonie. Dort war nach 23 Uhr erstaunlicherweise voll tote Hose - dafür war es einfach nur unerträglich feucht und heiss.

Schwitzen im Stehen, kaum zum Aushalten. Ein Hong Konger hat mir später erklärt, dass das in Sachen Nightlife in etwa der langweiligste Teil der Stadt sei. Mir ging es aber eher um die Nähe zur Metro-Station Admiralty. Denn dort steht das Lippo-Center, ein eindrücklicher Zwillingsturm. Und in Turm 1, im 40. Stock, ist neben einem Reisebüro auch das Konsulat von Taiwan in Hong Kong untergebracht.

5 Minuten vor Öffnung des Konsulats (um 9 Uhr) stand ich am kommenden Morgen vor dem Konsulat, und tatsächlich ging die Türe etwas früher auf. Also schnell eine Nummer gezogen, das nötige Formular ausgefüllt und kurz gewartet, ehe ich als Dritter an der Reihe war. Und zu hören bekam, dass ich neben zwei Farb-Passphotos mit WEISSEM Hintergrund (ich hatte nur welche mit grauem Hintergrund, wie das die EU für den Pass verlangt) auch noch einen Ausdruck der Einladung zum Presse-Event in Taipeh liefern müsse.

Zum Glück stand ein Passphoto-Automat im vierten Stock des Lippo-Centers, und im Erdgeschoss ist ein Copy-Shop untergebracht. Also konnte ich innert 30 Minuten die fehlenden Dinge nach- und ein Eil-Gesuch um ein 14-Tage-Visum einreichen.


Ab zum zweiten Versuch!
Dann hiess es, die Zeit totzuschlagen bis 16 Uhr - denn dann konnte ich den Pass mit dem Visum wieder abholen. Die folgenden Stunden verbrachte ich ausschliesslich in klimatisierten Nobel-Malls und dergleichen, während es draussen wie aus Kübeln schüttetete, aber dennoch nicht abkühlen wollte. Kaum hatte ich die 600 HK$ fürs Visum hingeblättert und den Pass wieder in den Fingern, machte ich mich auf den Rückweg zum Flughafen.

Der Flug nach Taipeh von 19:25 Uhr war schon ausgebucht, aber das Reisebüro Globetrotter buchte mir statt dessen einen Platz für den Flieger um 21 Uhr - am Freitag Abend. Tatsächlich konnte ich einchecken, die Sache schien wieder eingerenkt, und ich benachrichtigte meine Kontakte in Taipeh über den neuen Reiseplan und die neue Ankunftszeit.

Aber kaum dass dies erledigt war, wurde ich zurück gepfiffen: Die Buchung von Globetrotter war nicht korrekt und damit nichtig, mein Ticket konnte ich wieder abliefern. Danke auch an die Filiale Zug, zumal man mich in Sachen Information lange hingehalten hatte. Am Ende meiner Geduld, Nerven und Kräfte, machte ich mich auf die Suche nach meinem Koffer - ich hätte in dem Moment locker Amok laufen können, aber der Anblick chinesischer Uniformierter hielt meine Wut dann doch im sublimierten Bereich.

Immerhin folgte nun ein kleiner Trost: Zwischen den beiden Terminals des Flughafens Hong Kong gibt's die "Plaza Premium Lounge". Dort konnte ich nach einem kleinen Abendessen drei Stunden online arbeiten, einige Bierbüchsen killen und mich danach in ein kleines, aber zweckmässiges und bezahlbares Zimmer zurück ziehen, um einige Stunden zu schlafen.


Aller guten Dinge sind Drei
Neu war ich nun in den Flug vom Samstag Morgen um 9:50 Uhr eingebucht. Und ob man's glaubt oder nicht: Diesmal klappte das Einchecken, und das Reisebüro Globetrotter kam mir immerhin insofern entgegen, dass die Mehrkosten fürs Umbuchen mir ausnahmsweise erst per Einzahlungsschein in Rechnung gestellt werden - da spielte wohl auch ein bisschen das schlechte Gewissen mit.

Denn durch die 36 Stunden Aufenthalt, zwei Übernachtungen und das Visum waren Mehrausgaben entstanden, welche meine EC-Karte (eine Kreditkarte hab ich nicht) an die Bezugslimite brachten. Also musste ich am Freitag Abend noch kurz der BeKB anrufen, um auch dieses Problem aus dem Weg zu räumen. Was ganz einfach und unbürokratisch ging, ein Dank an die Filiale Bern-Breitenrain, ganz ohne Ironie.

Mit zehn Minuten Verspätung hob um 10 Uhr morgens eine Boeing 747 der EVA Airlines in Hong Kong ab - selten hat sich ein Start so gut angefühlt. In Taipeh angekommen und durch die Immigrations-Kontrolle gekommen, entdeckte ich gegen zwölf Uhr in der Ankunftshalle einen Herrn mit einem Schil, auf dem mein Name stand. Also ihm nach, und Momente später stieg ich in Taipeh in eine schwarze S-Klasse-Limousine mit abgedunkelten Scheiben hinten, natürlich hinten rechts. Und wurde direkt zu der alten Papierfabrik am Stadtrand von Taipeh chauffriert, wo Josh Hon und sein Team die neue Faltrad-Marke "Tern" mit einer veritablen Modeschau offiziell lancierten.

Und sieh an: Ich war der erste Journalist vor Ort und noch zu früh! Alle anderen blieben nämlich in einem stickigen Kleinbus im Stau von Taipeh stecken, so dass der Brand Launch mit 40 Minuten Verspätung begann. Was aber nichts war verglichen mit den 35.5 Stunden, die ich mir eingehandelt hatte. Wie sagen doch die Italiener? Lei ultimi seranni primi - die Letzten werden die Ersten sein!

Mittwoch, 15. Juni 2011

BBQ: Freestyle-Bruschetta aka Käseschnitten 2.0

Einen Tag vorm Abflug nach Taiwan nutzte ich das gute Wetter, um nochmals im Grünen zu grillieren. Und mich dabei an einer aufgemotzten Variante der Käseschnitten zu versuchen.

Vom Pfingstmontag hatte ich noch ein wenig herzhaftes Tomaten-Sugo übrig. Ohne Speck oder andere Fleischarten, nur Zwiebeln, Knoblauch, Tomaten und Kräuter bzw. Gewürze, dazu Rotwein. Diesen Rest packte ich in einem Tupperware zu Bier und Würsten und radelte ans Ufer der Töss. Auch der Grillrost und die kleine Stahl-Outdoorpfanne kamen mit in den Rucksack. Schnell war das nötige Holz gefunden (beziehungsweise gelegt) und ein Feuer am Brennen.

So ein Teil wär vielleicht mal keine schlechte Idee - mein Kiefer würd's danken...

Prompt haute ich mir beim Zerkleinern der trockenen Stämmchen noch ein rund drei Meter langes Stück selbst um die Ohren - die Rache des Totholzes? Ein Lob auf meine robusten Knochen, ein gebrochener Kiefer wär einen Tag vor einem 12-Stunden-Flug nicht willkommen gewesen (sonst auch nie, ha!). Die ersten Brotscheiben bereitete ich noch ohne Sugo zu: Etwas Weisswein aufs Brot, dann den Gruyère-Kase drauf und ab auf den Grill damit – auf einer Alu-Grillschale, um die ärgste Hitze fern zu halten und das Brot vor einer ungewollten Einäscherung zu bewahren, und mit der Pfanne als Hitzefang darüber. Daneben garte die erste von zwei Luganighes – meinen liebsten Grill-Würsten ausm Tessin (beziehungsweise ausm Coop).

Dann aber bestrich ich drei Brotscheiben mit dem Tomatensugo, legte Gruyère-Käse drauf und liess das Ganze am Rand des Grillrostes bei moderater Hitze stehen. Nach etwa zehn Minuten konnte sich das Resultat sehen lassen: Der Käse war sauber geschmolzen, das Brot nicht verbrannt und der Sugo warm, aber nicht zu heiss geworden. Auch auf der Zunge wussten die Grill-Bruschette zu überzeugen, so dass dieses Experiment in Sachen Outdoor-Cooking als Erfolg abgebucht werden darf.

Montag, 6. Juni 2011

BBQ-Fail: Spiegelei mit Speck

Einen Versuch wagen und dabei scheitern bringt zumindest einen Gewinn an Wissen und Erfahrung. Nichts riskieren dagegen heißt einen nicht abschätzbaren Verlust auf sich nehmen - den Verlust des Gewinns, den das Wagnis möglicherweise eingebracht hätte.

Diese weisen Worte stammen vom amerikanischen Management-Theoretiker Chester Barnard. Und sie dienen mir als Trost, wenn ein Experiment in Sachen Outdoor Cooking mal nicht nach Wunsch läuft. Normalerweise gilt kochtechnisch als hoffnungsloser Fall, wer kein Spiegelei hinbekommt. Wie ich merken musste, ist die Zubereitung eines Spiegeleis auf dem Grill aber eine ganz andere Herausforderung – eine, an der ich im ersten Versuch scheiterte.

Der Plan war einfach: Einige Streifen Bratspeck und Butter in die Stahl-Outdoorpfanne geben und dann auf die Hitze des Grills vertrauen. Ein Ei dazu, Deckel drauf und nach einigen Minuten wenden. Bei der Umsetzung musste ich allerdings merken, dass so ein Speck-Spiegelei eine Herausforderung darstellt.

Doch zunächst liess sich die Sache gut an: Der Butter zerging im Nu, der Speck warf schnell erste Wellen – was auf eine gute Hitze in der Pfanne schliessen liess. Dennoch war ich vorsichtig und haute mal nur ein Ei in die Pfanne. Um die Eimasse schneller zum Stocken zu bringen, deckte ich das Ganze mit einem Deckel zu. Und begann zu warten.

Nach einigen Minuten zeigte das Ei noch keinerlei Neigung, fest zu werden, und so zog sich die Sache in die Länge – hier zeigte sich, dass mein kleines Feuer beziehungsweise die Glut nicht heiss genug war für dieses Rezept. Also legte ich nochmals etwas Speck nach, um dem Ei mehr Festigkeit zu geben.

Und deckte das Ganze nochmals mit dem Deckel zu - wenn die Hitze schon kaum ausreichte, sollte auch nichts anbrennen. Und so konnte ich die Zeit für mich arbeiten lassen und noch etwas den schönen Frühsommer-Abend an der Töss geniessen.

Das Wenden des Eis erwies sich als das eigentliche Pièce de Résistance: Trotz geschmolzener Butter und dem Speck unten in der Pfanne klebte die Eimasse an der Stahlpfanne. Zwar hatte ich eine Holzkelle mitgenommen, aber der rechte Winkel zwischen Boden und Seitenwand der Pfanne liess kaum eine Chance, mit dieser Kelle unters Spiegelei zu kommen.

Der langen Rede kurzer Schluss: Aus dem geplanten Spiegelei mit Speck wurde zwangsläufig ein Rührei mit Speck. Das schmeckte immer noch sehr lecker, wusste aber optisch auf keine Weise zu überzeugen. Lehren für den nächsten Versuch: Mehr Hitze und eine Pfanne mit flacheren Seitenwänden verwenden.

Mittwoch, 1. Juni 2011

BBQ: Gemüse mit dem gewissen Etwas

Auch Männer sind Gemüse vom Grill nicht abgeneigt. Bloss: Es sollte dann schon Gemüse mit einem gewissen Etwas sein – ob geschmolzener Käse oder krosser Speck.

Kartoffeln sind beim Grillieren ein Klassiker und eine dankbare Beilage: Man nehme nicht zu grosse Exemplare einer hart kochenden Sorte (in der Schweiz: Gschwelti-Härdöpfel), spüle sie kurz und packe sie in Alufolie ein. Dann kann man die Dinger direkt in die Glut schmeissen und so garen lassen. Nach belieben kann man noch etwas Butter zur Kartoffel in die Folie packen.

Oder man kann die Kartoffeln halbieren, richtig viel Reibkäse dazwischen packen und das Ganze mit Alufolie umwickelt dem Feuer übergeben. Dany’s erster Versuch hatte noch Potential nach oben. Parmesan ist nun einmal nicht der Käse, der am schnellsten schmilzt, Gruyère, Emmentaler oder ein Raclette-Käse in Scheiben würde sich da eher aufdrängen. Auf der Zunge wussten die Käsekartoffeln aber besser zu gefallen als fürs Auge.

Nochmals ein ganz anderer Fall war das wohl ungesündeste Grill-Gemüse, das mir je vor Augen gekommen ist. Und das hat mit EHEC nichts zu tun, wir sprechen hier ja nicht von Rohkost. Vielmehr schnappte sich Dany einen Spargel, schälte ihn und umwickelte ihn darauf mit sagenhaften vier Streifen Bratspeck, fixiert durch Zahnstocher. Das Resultat war nur für eingeweihte als Spargel im Speckmantel erkennbar, alle anderen sahen nur Speck.

Wie wir diese Kreation ausprobierten, zeigte sich ein Problem: Während man den Speck problemlos zerbeissen konnte, sah das mit dem fasrigen Spargel anders aus. Der war tierisch heiss – und liess sich kaum abbeissen. Statt dessen zog ich das ganze Stück Spargel mit einem Ruck aus seinem Speckmantel. Zurück blieb eine krosse Röhre aus Speck, die uns im Dunkel am Lagerfeuer sofort auf neue kulinarische Ideen brachte: Sollte man die Röhre füllen oder als Trinkhalm benutzen?