Montag, 28. Juni 2010

Tour de France 2010 - (m)eine Vorschau

Selbst als bekennender Fan der Frühjahrsklassiker im Nordwesten Europas muss ich eingestehen: Die Tour de France, la Grande Boucle, das ist die Champions League des Radsports. Eine Vorschau.

Am kommenden Samstag geht’s in Rotterdam mit einem Prolog über knapp 9 Kilometer los, dann begleitet uns die Tour de France bis zum 25. Juli – Fussball-WM hin, Schulferien her. Und die ASO als Organisatorin hat sich mal wieder nicht lumpen lassen: So drohen gleich schon in der ersten Woche Kopfsteinpflaster, Ardennen-Anstiege und Windstaffeln. Mit ruhigem Einrollen wirds eher schwierig.

Sowie die Tour der Schweiz nahe kommt, nehmen auch die Bergauf-Kilometer schlagartig zu. Auch wenn die meistgenannten Favoriten sich dieses Jahr noch keine Vorentscheidung von den Alpen erwarten und Anstiege wie die Alpe d’Huez heuer nicht im Programm sind, verspricht die Passage der Alpen schon einmal einiges an Spektakel. Dafür sprechen Pässe wie der Col de la Madeleine, der Col de Colombière oder der Schlussanstieg von Morzine hoch nach Avoriaz.

Ein Spektakel darf man sich auch von der «kleinen» Bergankunft in Mende im Massif Central erhoffen: Zwar ist der Schlussanstieg nur knapp über 3 Kilometer lang, weist dafür aber auch im Schnitt über 10 Steigungsprozente auf. Ideal für Klettermaxen wie Joaquin Rodriguez oder Alberto Contador - oder einen der beiden Schlecks.

Und doch ist diese Ankunft nur so etwas wie das Vorspiel für die Etappen in den Pyrenäen, wo sich die Contadors, Schlecks und Armstrongs dieser Welt wohl Saures geben werden. Gleich zweimal steht der Tourmalet auf dem Programm, dazu kommen Aubisque, Peyresourde, Aspin, Port d'Aspet und der Schlussanstieg nach Ax 3-Domaines.

Ungewöhnlich spät erst folgt in der Tour 2010 das lange Zeitfahren: 52km durch die Weinberge von Bordeaux, und das am zweitletzten Tag – ich würde da lieber zugucken und mir ein Gläslein vom lokalen Wein gönnen. Dieses Zeitfahren weist kaum topographische Unregelmässigkeiten (aka Hügel) auf, so dass der stärkste Zeitfahrer der Gegenwart hier endlich mal eine Scharte in seinem Palmarès auswetzen und ein Zeitfahren in der dritten Tourwoche gewinnen könnte.

Nachdem die Tour 2008 von Skandalen (R. Ricco, S. Schumacher, B. Kohl, M. Dueñas, M. Beltran seien mal erwähnt) geprägt und die Austragung vor einem Jahr auf geradezu skandalöse Art «frei von Doping» gewesen war, darf man auch gespannt sein, was sich in Sachen Doping tut. Schliesslich gab es im Vorfeld einige Reibereien zwischen der Tour-Organisation und der französischen Antidoping-Agentur.

In einer ersten Vorschau auf die Tour de France 2010 widme ich mich kurz den Etappen:

Prolog, 3. Juli: Rotterdam, 8.9km

Die einzigen Hubbel sind die Rampen auf zwei grosse Brücken hoch. Blocher-Parcours.

Etappe 1, 4. Juli: Rotterdam – Brüssel, 223.5km

Eher Windstaffeln als die Topographie als Gefahr, dazu 3 Zwischensprints für die ersten Ausreisser – aber eigentlich ein klares Ding für die Sprinter. Farrar am 4th of July?

Etappe 2, 5. Juli: Brüssel – Spa, 201km

Die erste Hälfte bis zur Verpflegung ist noch ± flach, ab da beginnt dann ein veritabler Ardennen-Klassiker, mit 3 x Cat.4, 3 x Cat. 3 und kaum noch einem flachen Meter. Der letzte Cat.3er (Col du Rosier) kommt relativ kurz vorm Ziel

Etappe 3, 6. Juli: Wanze – Arenberg Porte du Hainaut, 213km

Nach flachen ersten 35km geht’s für 60km im steten Auf und Ab durch die Ardennen, ehe nach 60km Überführung noch 13km KSP auf den letzten 77.5km der Etappe warten.

Etappe 4, 7. Juli: Cambrai – Reims, 153.5km

Mit 3 Zwischensprints und einem Cat.4er ist diese Etappe in den Ardennen-Ausläufern kaum selektiv genug, um einen Massensprint zu verhindern.

Etappe 5, 8. Juli: Eparney – Montargis, 187.5km

Zwei Cat.4er auf den ersten 36.5km (geht auch bergan los), danach flacht das Profil zusehends ab, insgesamt drei Sprintwertungen über die Etappe verteilt.

Etappe 6, 9. Juli: Montargis – Gueugnon, 227.5km

Fein gezacktes Höhenprofil, in Total 4 Cat.4er-Anstiege, dazu drei Zwischensprints – letzter Hügel 23km vom Ziel entfernt.

Etappe 7, 10. Juli: Tournus – Station des Rousses, 165.5km

Zwei Sprintwertungen auf den ersten 44km, danach beginnt die Etappe erst richtig: 3 Cat.2er, 2 Cat.3er und ein Cat.4 warten im Jura auf die Fahrer – keine Bergankunft, aber 14km mit 5% als letzter Anstieg – das müsste die Sprinter aus der Entscheidung hauen.

Etappe 8, 11. Juli: Station des Rousses – Morzine-Avoriaz, 189km

Zuerst der CH-Grenze entlang und vorbei an Genf bis nach Annemasse und dann rein in die Berge: Zwei Cat.4er im ersten Etappenteil, ruhiges Mittelstück, dann mit dem Col de la Ramaz (14.3km mit 6.8%) und dem Schlussanstieg (13.6km mit 6.1%) zwei Cat.1er, dazwischen noch ein Cat.3er.

RUHETAG 1

Etappe 9, 13. Juli: Morzine-Avoriaz – Saint-Jean-de-Maurienne, 204.5km

Nach den Pässen Colombière (Cat.1, 16.5km mit 6.7%) , Aravis (Cat.2, 7.6km mit 5.9%) und Saisies (Cat.1, 14.4km mit 5.1%) folgt als Krönung der Col de la Madeleine (HC, 25.5km mit 6.2%) – brutale Alpenetappe.

Etappe 10, 14. Juli: Chambéry – Gap, 179km

Anspruchsvolle Überführungsetappe, ideal für Ausreisser à la Fédrigo (Datum!). Erste 65km noch wenig selektiv, dann folgt die Côte de Laffrey (Cat.1, 7km mit 9% - steiler Hund!) und ein Cat.3er (3.3km mit 7.1%) und mit dem Col du Noyer (Cat.2, 7.4km mit 5.3%) der letzte klassierte Hubbel, ehe es über nochmals einen Hubbel bergab ins Ziel geht.

Etappe 11, 15. Juli: Sisteron – Bourg-lès-Valence, 184.5km

Ein echtes Hindernis: Cat.3er nach 56.5km (Col de Cabre, 5km mit 5.9%), danach geht’s ebenaus oder bergab bis ins Ziel – endlich mal wieder was für die Sprinter?

Etappe 12, 16. Juli: Bourg-de-Péage – Mende, 210.5km

Bergankunft mit dem Montée Laurent Jalabert (Cat.2, 3.1km mit 10.1%, sausteil) 2km vorm Ziel. Die Anfahrt ist aber auch schon anspruchsvoll, mit zuerst zwei Cat.3er und einem Cat.2er bei km96.9 (Suc de Montivernoux, 13.7km mit 4.4%, Rollerberg).

Etappe 13, 17. Juli: Rodez – Revel, 196km

Überführungsetappe mit kaum einem flachen Meter, aber nur mit 3 Cat.4ern und 2 Cat.3ern, letzter Cat.3er (1.9km, 6%) liegt 7.5km vorm Ziel – ideal, um die Sprinterteams zu foppen.

Etappe 14, 18. Juli: Revel – Ax 3 Domaines, 184.5km

Bergankunft (Cat.1, 7.8km mit 8.2%), wobei die letzten 1.5km fast flach sind – und aufm Weg dahin noch der Port de Pailhères (HC, 15.5km mit 7.9%). Klassementsetappe, denn ab km102 gibts kaum noch einen flachen Meter.

Etappe 15, 19. Juli: Pamiers – Bagnères-de-Luchon, 187.5km

Auf den ersten 90km nur ein Cat.4er, doch dann kommts: Col de Portet d’Aspet (Cat.2, 5.8km mit 6.8%), Col des Arès (Cat.2, 6.1km mit 4.7%) und 21km vorm Ziel der Port de Balès (HC, 19.3km mit 6.1%) – von dort sinds 1100hm Abfahrt bis ins Ziel.

Etappe 16, 10. Juli: Bagnères-de-Luchon – Pau, 199.5km

Bis 60km vorm Ziel eine absolute Hammeretappe, mit Col de Peyresourde (Cat.1, 11km mit 7.4%), Col d’Aspin (Cat.1, 12.3km mit 6.3%) und Col du Tourmalet (HC, 17.1km mit 7.3%) bis km72 – Wahnsinn! Nach längerer Abfahrt und Verpflegung folgt der Col d’Aubisque (HC, 29.2km mit 4.2%), und dann gehts 61km bergab ins Ziel. Dämliche Streckenführung!

RUHETAG 2

Etappe 17, 22. Juli: Pau – Col du Tourmalet, 174km

Ein Cat.4er zum Aufwärmen, dann folgt Teil 2 des Pyrenäen-Menues: Col de Marie-Blanque (Cat.1, 9.3km mit 7.6%), Col du Soulor (Cat.1, 11.9km mit 7.8%) und schliesslich der Col du Tourmalet (HC, 18.6km mit 7.5%), diesmal sogar als Schlussanstieg und nicht mitten in der Etappe. Klassements-Killeretappe wg langem Schlussanstieg und Bergankunft.

Etappe 18, 23. Juli: Salies-de-Béarn – Bordeaux, 198km

Massensprints sind in Bordeaux Pflicht – darum gibt’s auf dieser Etappe auch nur zwei Zwischensprints, aber keine Bergwertung. Wer die Pyrenäen überstanden und keinen Knopf in den Beinen hat, kann in Bordeaux um den Sieg und Punkte sprinten.

Etappe 19, 24. Juli: Bordeaux – Pauillac, 52km (EZF)

Einmal Vollgas die Gironde runter: Ein EZF für die Männer mit den dicken Oberschenkeln, das allenfalls vom Wind beeinflusst werden könnte. Fäbu vor!

Etappe 20, 25. Juli: Longjumeau – Paris Champs-Elysées, 102.5km

Eine kurze Champagnerfahrt in die Hauptstadt, wenn auch auf den ersten 40km nicht komplett flach. Da soll und da wird auch nichts mehr passieren.

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